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Standort der Oberschule Rosengarten erhalten und stärken

Ein Beitrag von Thomas Mehlbeer

09. Februar 2021 - Thomas Mehlbeer
Kurze Beine brauchen kurze Wege: Ein Plädoyer für den Erhalt und die Stärkung der Oberschule Rosengarten

Derzeit wird wieder über die Zukunft der Oberschule Rosengarten in Nenndorf diskutiert. Hintergrund ist die aktuelle Schulentwicklungsplanung des Landkreises Harburg, deren Diskussionsstand eine erhebliche Schwächung des Schulstandorts mit sich brächte. Die Schulleitung der Oberschule hat deswegen jetzt eine sorgenvolle Stellungnahme an die Gemeinde Rosengarten gerichtet. Darin befürchtet die Schulleitung, dass durch zusätzliche IGS- und Gymnasialstandorte im Landkreis, die Oberschule weitere Schülerzahlen verliert und der Schulstandort in Nenndorf dadurch in seinem Fortbestand gefährdet ist. Warum die Sorgen berechtigt sind, warum der Standort erhalten bleiben muss und was die Gemeinde Rosengarten jetzt tun muss.

Die Oberschule Rosengarten ist die einzige weiterführende Schule in der Gemeinde Rosengarten. Schule und Kollegium haben einen sehr guten Ruf und der Standort genießt beste Voraussetzungen: Die Schule liegt sehr zentral in der Gemeinde in Nenndorf, sie besitzt ein relativ neues Schulgebäude und ist als eine der ersten Schulen im Landkreis aus Mitteln des Digitalpaktes mit Active-Boards, flächendeckendem W-Lan und digitalen Endgeräten ausgestattet worden. Als zertifizierte MINT-Schule und mit einem gymnasialen Zweig bietet sie hervorragende Bildung für alle Schüler verschiedener Leistungsbereiche.

Der aktuelle Diskussionsstand im Landkreis Harburg würde nun weitere IGS- und Gymnasialstandorte bedeuten, wobei die Oberschule so bliebe wie sie ist. Das hieße einerseits Entlastung für die IGS Seevetal und die IGS Buchholz, andererseits würden dort jedoch auch mehr Schüler von den Grundschulen aus Rosengarten angenommen. Außerdem würden Eltern von Grundschulkindern in Nachbargemeinden, die derzeit ihre Kinder noch nach Nenndorf schicken, ein entsprechendes neues IGS-Angebot in ihrer Gemeinde vorziehen. Die Anmeldezahlen an der Oberschule würden einbrechen und sie könnte in die Einzügigkeit abrutschen. Dann wäre auch der gymnasiale Zweig nicht mehr zu halten, was einen weiteren Rückgang der Anmeldungen mit sich brächte. Langfristig könnte das das Aus bedeuten.

Ich stelle mich in dieser Sache voll an die Seite der Schulleitung und der Eltern und werde mich mit allen Kräften dafür einsetzen, dass der Schulstandort erhalten bleibt. Aller politischer Einfluss der Gemeinde muss jetzt in die aktuelle Schuldiskussion im Landkreis getragen werden.

Eine starke wohnortnahe Gesamtschule ist für unsere Gemeinde wichtig. Kurze Beine brauchen kurze Wege. Es ist sicher nicht sinnvoll, dass unsere Kinder quer durch den Landkreis gefahren werden, weil die Wunschschule in einer anderen Gemeinde liegt. Damit steigen nicht nur die Kosten der Schülerbeförderung enorm. Auch die Freundschaften an den Schulen wären schwieriger zu pflegen, weil die Familien weiter auseinander wohnen.

Gute Gründe also, die einzige wohnortnahe weiterführende Schule in Rosengarten zu stärken und aufzuwerten. Sollte es also zu weiteren IGS-Standorten in Nachbargemeinden kommen, muss auch die Oberschule Rosengarten für Eltern attraktiver gemacht werden. Das ginge nur, wenn die Oberschule Rosengarten auch zur IGS würde. Die Prognosen der Schulleitung gehen dahin, dass eine IGS sowohl rechtlich und auch atmosphärisch gut funktionieren könnte. Sogar für den Landkreis kostenneutral, denn das Schulgebäude könnte die prognostizierten Schülerzahlen ohne neue Investitionen aufnehmen.

Andernorts ist das bereits gelernte Praxis. Das Zwei-Säulen-Modell einer wohnortnahen Gesamtschule und des Gymnasiums ist in allen anderen Bundesländern der Metropolregion umgesetzt. Hamburg hat die Stadtteilschule und das Gymnasium, Bremen die Oberschule und das Gymnasium, Schleswig-Holstein hat die Gemeinschaftsschule und das Gymnasium, Mecklenburg-Vorpommern die Regionalschule und das Gymnasium. Ein zweigliedriges Schulsystem mit wohnortnahen IGSen und Gymnasien entspricht zeitgemäßer Pädagogik und Elternwunschverhalten.  

Trotz dieser Stärken sind die Wunschschulen von Eltern für die weiterführende Bildung ihrer Kinder heute vor allem zwei Modelle: das Gymnasium und die Integrierte Gesamtschule (IGS). Die IGS in Seevetal, welche seit 2019 auch eine gymnasiale Oberstufe beinhaltet, und die IGS in Buchholz haben bereits heute zu viele Anmeldungen für zu wenig Plätze. Schüler, die keinen Platz den beiden IGSen erhalten, gehen häufig an die Oberschule Rosengarten. Heute sind über 50% der Schüler an der Oberschule Rosengarten abgelehnte IGS-Anmeldungen.