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Was wir aus der Coronakrise lernen sollten

Ein Beitrag von Thomas Mehlbeer

04. Januar 2021 - Thomas Mehlbeer
Was wir aus der Coronakrise lernen sollten

Was für ein Jahr! Die letzten 12 Monate werden wir alle nicht so schnell vergessen. Sie haben uns geprägt und werden ihre Spuren für die Zukunft hinterlassen. Das Coronavirus hat uns gezeigt, wie fragil das Fundament sein kann, auf dem wir unsere Leben aufgebaut haben: Einige von uns haben einen Angehörigen verloren, andere konnten ihre Angehörigen nicht besuchen. Manche sind arbeitslos geworden, viele sind in Kurzarbeit gegangen. Unternehmer haben ihre Zuversicht verloren, Schulen und Kitas arbeiteten am Limit. Vereinsleben fand nicht mehr statt – unsere Kinder konnten ihre Hobbies nicht mehr ausleben. Wenige pendelten noch täglich zur Arbeit, das Homeoffice war für viele Alltag. Der eigene Urlaub fiel ins Wasser und Oma besuchen, das war auch nicht mehrangesagt. Das Virus brachte uns alle ans Limit, im Beruf wie im Privatleben, und erschütterte unseren durchgetakteten Alltag. 

Doch bei all dem Schmerz, den Zukunftsängsten, den Auseinandersetzungen und dem Verzicht hat das Coronavirus auch Saiten angeschlagen und Veränderungen hervorgebracht, die einem Mut für die Zukunft machen: Gleich zu Beginn des ersten Lockdowns organsierten sich auch in Rosengarten Bürger:innen in der Nachbarschaftshilfe und machten Besorgungen für Ältere oder Risikogruppen. Gesellschaftliche Solidarität wurde auf einmal wichtig und wir haben uns um andere gekümmert. Durch Homeoffice und Kurzarbeit hatten wir mehr Zeit für unsere Kinder, unsere Eltern und unsere Großeltern. Wir haben unsere Gärten gepflegt und Heimprojekte realisiert. Die Familie rückte zusammen und auch wenn es hier und da Probleme gab, so war diese Zeit so intensiv wie nie zuvor. Wir haben gelernt, viele Dinge im Internet zu erledigen – an Weihnachten per SKYPE mit Oma und Opa zu chatten oder einen Filmemarathon in der Mediathek zuschauen. Wir haben in vielen Spaziergängen unsere Natur und unsere Nachbarschaft kennengelernt. Wir haben innegehalten und über unser Leben nachgedacht. Darüber, was uns wichtig ist und wie wir leben wollen. 

2021 werden wir Corona in den Griff kriegen. Wir werden große Teile der Bevölkerung geimpft haben und die Einschränkungen unseres Lebens werden spätestens ab Sommer Stück für Stück zurückgenommen werden. Wir werden aufatmen und uns wieder ins Leben werfen. Doch wer glaubt, alles wird so wie vor der Pandemie, der wird sich irren. Wir haben uns verändert, die Gesellschaft hat sich verändert. Ich würde mir wünschen, dass wir uns an die positiven Dinge erinnern, die uns Mut gemacht haben. Dass wir bewusster leben in dem Gedanken, dass nicht alles selbstverständlich ist. Dass wir an den Restaurantbesitzer und seine Familie denken, wenn wir bei ihm essen gehen. Dass wir regionale Lebensmitteleinkaufen, weil wir an die lokalen Bauern und ihre Familien denken. Dass wir häufiger bei unseren Nachbarn fragen, wie es Ihnen geht. Dass wir uns die Zeit für die Spaziergänge trotzdem einfach nehmen. Dass wir den Lehrer:innen in den Schulen und den Erzieher:innen in den Kitas auch mal Danke sagen. Dass wir beim nächsten Theater- oder Konzertbesuch einen extralangen Applaus spenden. Dass wir Oma und Opa einmal mehr besuchen, weil wir sie vermisst haben. Und dass wir unseren Kindern die Zeit geben, die sie brauchen.