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Bauen in Rosengarten - Zukunft gemeinsam gestalten

Ein Beitrag von Thomas Mehlbeer

26. Februar 2021 - Thomas Mehlbeer
Bauen in Rosengarten – Zukunft gemeinsam gestalten

Nichts polarisiert in der Gemeinde Rosengarten mehr als neue Baugebiete. Doch ist der ewige Streit zwischen Bürgerinitiativen und Grundeigentümern wirklich alternativlos? Wie können wir gemeinsam eine Entwicklung unserer Ortschaften planen und die Zukunft der Gemeinde gestalten?

Man liest es überall: Der Siedlungsdruck auf Rosengarten ist groß, der Flächenbedarf ungebrochen. Das hat zwei wesentliche Gründe. Einerseits ist die Wohnfläche pro Person in Deutschland seit 1990 um fast 50 Prozent gestiegen. Lebte man damals noch auf knapp 35qm, so sind es heute im Schnitt etwas über 50qm pro Person. Das klingt wenig, doch bei 83 Millionen Bürger:innen macht das einen Riesenbedarf an zusätzlicher Wohnfläche. Diese Entwicklung wird von einer weiteren begleitet: der Urbanisierung. Lebensträume insbesondere der jungen Generation finden heute ihre Verwirklichung in den Städten oder deren Umland. Was tun bei so viel Nachfrage? In der Stadt, wo wenig Fläche ist, baut man nach oben und verdichtet. Und im Umland?

In Rosengarten als einer Gemeinde im Hamburger Speckgürtel ist der Traum von weiträumigen und naturnahen Wohnformen noch umsetzbar. Dabei wird das Angebot an bebaubaren Flächen von privaten Landbesitzern gestellt. Das läuft derzeit so, dass vom Landbesitzer ein Antrag auf Umwandlung in Bauland in der Gemeinde gestellt wird. Dann durchläuft dieser Antrag die politischen Gremien, der Verwaltungsakt wird vollzogen, mit Beteiligung der Ortsräte und Anwohner. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Denn was für den einen ein Acker, ist für den anderen eine wertvolle Naturfläche. Benachbarte Anwohner fürchtenden Wertverlust ihrer Grundstücke und damit ihrer Altersversorgung. Und damit sind die Fronten klar.

Gemeindeentwicklung ist jedoch etwas anderes als in einer Abfolge von Bauvorhaben juristische Verwaltungsakte durchzusetzen und den jeweiligen politischen Prozess zu moderieren. Eine solche unkoordinierte, nicht an langfristigen Zielen ausgerichtete Verwaltungsarbeit wird nämlich die nächsten 50 oder 80 Jahre unserer Gemeinde prägen.

Wie kann das anders gehen? Wir, die Bürger:innen, müssen gemeinsam mit der Politik übergeordnete langfristige Entwicklungsziele festlegen und dauerhaft verfolgen, evaluieren und auch ggf. neu justieren. Nur wenn wir wissen, wo wir gemeinsam hinwollen, können wir auch gemeinsam handeln. Ein Anfang ist bereits gemacht, denn mit dem Zukunftskonzept Rosengarten 2030 hat es eine Zielfestlegung im Jahr 2016 gegeben. In Bürgerworkshops wurden Leitlinien für die Gemeindeentwicklung entwickelt. Doch leider ist das Konzept in der Schublade verschwunden und wird je nach Anlass von einer der politischen Parteien wieder hervorgeholt und im eigenen Sinne interpretiert.

Niemand weiß bis heute, ob und wie die dort formulierten Ziele umgesetzt wurden, denn bis heute fehlt es an Zahlen für eine Evaluation des Zukunftskonzeptes. Beispielsweise werden keine Daten zur Bevölkerungsentwicklung nach Altersgruppen, Anzahl der Kita- und Grundschulplätze, Flächenveränderung der LSG und der Grünflächen, zur Anzahl altersgerechter Wohnungen oder zum Angebot an gefördertem Wohnraum publiziert. Aber ohne Zahlen ist eine Überprüfung der Leitziele unmöglich. Wenn wir Akzeptanz für die Bebauung wertvoller natürlicher Flächen bei den Bürger:innen erreichen wollen, sind wir Ihnen diese Transparenz mindestens schuldig. Es benötigt einen Bürgermeister, der auf die Menschen zugeht und diese Transparenz durch eine öffentliche Diskussion schafft und zwar bevor der Bauantrag eingereicht wird.

Die öffentliche Diskussion muss sich auch darum drehen, wo wir in Zukunft bauen wollen und nicht nur ob. Das schafft einen Diskussionsraum von Möglichkeiten und nicht nur ein gegeneinander von Meinungen. Zukunft gestalten ist mehr, als dafür oder dagegen sein. Dafür müssen aber alle Optionen auf den Tisch. Nur so entsteht ein langfristiger Entwicklungsplan, der über das aktuelle, impulsgetriebene Geschäft hinausgeht und der Akzeptanz bei den Bürger:innen genießt.

In Rosengarten existieren bereits gute Instrumente für eine Steuerung der Gemeindeentwicklung. Die Baulandbevorratungsrichtlinie ermöglichtes beispielsweise, dass nur die Gemeinde Bauland entwickeln darf. So können Infrastrukturkosten, die durch neue Baugebiete entstehen, vom Kita- bis zum Grundschulplatz, eingepreist werden. Diese muss nur konsequent umgesetzt werden. Sobald die Gemeinde in den Verdacht kommt, bei einzelnen Bauvorhaben davon abzuweichen, ist der Erosionsprozess für die Richtlinie in vollem Gange. Mehr dazu im nächsten Blog.